WAS IST LEBEN? – Eine interdisziplinäre & öffentliche Vortragsreihe

Die Frage „Was ist Leben?“ ist von Natur aus komplex und erfordert eine tiefgründige Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven. Aus biologischer Sicht umfasst das Leben u. A. die komplexen Prozesse der Zellfunktion, Reproduktion und Anpassung. Den Rahmen für das Leben bilden die physikalisch-chemischen Naturgesetze. Doch eine rein wissenschaftliche Auseinandersetzung würde der Fragestellung und ihrer Komplexität nicht gerecht werden. Höhere Lebewesen zeichnen sich durch einen Verstand aus, der sie antreibt nach dem Sinn und Zweck unserer Existenz zu fragen. Das Mysterium des Lebens ist nicht nur Ursprung sondern auch hoffnungsvoller Antrieb der Individuen, die die Welt durch ihre subjektive Erfahrungen interpretieren und konstruieren und die Gesellschaft durch Normen, Werte und Beziehungen prägen. Die Vielschichtigkeit der Frage führt so zu einer interdisziplinären Untersuchung unter Einbeziehung der unterschiedlichsten Fachrichtungen, um ein umfassendes Verständnis davon zu vermitteln, was „Leben“ eigentlich ist.

In unserer öffentlichen und interdisziplinären Vortragsreihe haben wir Experten aus verschiedensten Fachbereichen eingeladen, sich mit der Frage nach dem Leben auseinanderzusetzen. Die Vorträge fanden von Januar bis September 2024 an der Goethe-Universität Frankfurt statt und wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte sowie der Fachschaft Kunstpädagogik ermöglicht. Im Folgenden finden ihr eine Übersicht aller Vorträge.

Wir bedanken uns ganz herzlichst bei allen Redner und Rednerinnen für die spannenden Einblicke, und bei dem Institut für Kunstgeschichte und der Fachschaft Kunstpädagogik der Goethe-Universität für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und der Organisation des an jeden Vortrag anschließenden Get-Togethers.

Die Entstehung des Lebens

Im Rahmen unserer Vortragsreihe hielt Prof. Dr. Jörg Soppa vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main einen spannenden Vortrag zum Thema „Die Entstehung des Lebens“. In seinem Vortrag beleuchtete Prof. Soppa die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien zur Entstehung des Lebens auf der Erde und erläuterte die komplexen biochemischen Prozesse, die zur Bildung der ersten lebenden Organismen führten. Er ging auf aktuelle Forschungsergebnisse ein und zeigte auf, wie moderne molekulare Biowissenschaften uns helfen, die Ursprünge des Lebens besser zu verstehen. Der Vortrag bot faszinierende Einblicke in die frühen Phasen der Lebensentstehung und regte zu weiterführenden Diskussionen über das Leben in all seinen Formen an. In voller Länge findet sich der Vortrag als Podcast auf Spotify und auf YouTube (siehe nachstehende Links).

Weitere Informationen über Prof. Dr. Jörg Soppa und seine Arbeit finden sich unter folgender Webseite: https://www.bio.uni-frankfurt.de/43968449/Abt__Soppa

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"MASTERING the ELEMENTS"

Im Rahmen dieser öffentlichen Vortragsreihe präsentierte die Künstlerin Jana Hartmann ihr Werk „MASTERING the ELEMENTS“, eine fotografische Recherche, die sich mit der Alchemie als Bindeglied zwischen Natur und Wissenschaft auseinandersetzt. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die Frage „Was ist Leben?“, wie sich wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven auf dieses Thema überschneiden und ergänzen und was die Alchemisten vom Leben und Sterben dachten.

Im Vortrag zeigte sie eindrucksvolle Fotografien, die alchemistische Experimente, naturkundliche Exponate und Modelle abbilden. Diese Darstellungen wurden mit aktuellen physikalischen und philosophisch-ethischen Fragestellungen in Verbindung gebracht. Zu diesen gehört u.A.  die Erforschung der Materie in der Quantenphysik oder das Streben nach Lebensverlängerung und dem Transhumanismus.

Weitere Informationen zu Ihrem Werk „„MASTERING the ELEMENTS“ finden sich auf Ihrer Webseite: https://www.janahartmann.eu/mastering-the-elements/

Selbstorganisation

Den dritten Vortrag unserer Vortragsreihe hielt Prof. Dr. Franziska Matthäus vom Institut für Informatik der Goethe-Universität Frankfurt am Main und des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) einen faszinierenden Vortrag zur Rolle der Selbstorganisation von biologischen Entwicklungsprozessen und wie diese eine entscheidende Rolle bei der Frage des Lebens einnehmen. Der Vortrag beleuchtete, wie komplexe biologische Muster und Strukturen durch lokale Interaktionen entstehen können – ganz ohne zentrale Steuerung. Prof. Dr. Matthäus führte die Zuhörer von den theoretischen Grundlagen Alan Turings über molekulare und zelluläre Kommunikation bis hin zu modernen Erkenntnissen, die die Rolle der Selbstorganisation in biologischen Prozessen wie der Gewebeentwicklung oder der Bildung räumlicher Muster aufzeigen. Anhand mathematischer und rechnergestützter Modelle verdeutlichte sie anhand von drei Beispielen wie natürliche Muster entstehen. Der Vortrag regte dazu an, Leben als Ausdruck faszinierender Selbstorganisationsprozesse zu verstehen und bot spannende Einblicke in die Schnittstelle von Biologie, Mathematik und Informatik. In voller Länge findet sich der Vortrag als Podcast auf Spotify und auf YouTube (siehe nachstehende Links).

Weitere Informationen über Prof. Dr. Franziska Matthäus und Ihrer Arbeit finden Sie hier: https://www.fias.science/de/lebens-und-neurowissenschaften/gruppen/franziska-matthaeus/

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Leben - Überleben - Erleben

Im Rahmen unserer Vortragsreihe hielt Dr. Marc Borner vom Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt am Main einen inspirierenden Vortrag mit dem Titel „Leben – Überleben – Erleben. Eine philosophische Reise zum Begriff des Lebens“. Der Vortrag führte von der biologischen Definition des Lebens bis hin zu philosophischen, ethischen und anthropologischen Fragestellungen. Dabei beleuchtete Dr. Borner zentrale Themen wie den Sinn des Lebens, die Unterscheidung zwischen Belebtem und Unbelebtem sowie die menschliche Fähigkeit zur Reflexion über das eigene Dasein. In voller Länge findet sich der Vortrag als Podcast auf Spotify und auf YouTube (siehe nachstehende Links).

Weitere Informationen über Dr. Borner und seine Arbeit finden Sie hier: https://www.marcborner.de/

Eine musikalische Perspektive auf das Leben

Im vorherigen Vortrag von Dr. Mark Borner erwähnte er während seiner philosophisch-psychologischen Auseinandersetzung mit der Frage „Was ist Leben?“ folgendes Zitat von Friedrich Nietzsche: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ 

Passend dazu hat Lorenzo Huthmacher (Musiker, Pianist – The JLF Project) mit seinem Piano für diesen Vortrag das Publikum mit auf eine außergewöhnliche Reise mitgenommen, in welcher er das Zusammenspiel von Leben und Musik erläuterte. Sein Vortrag „Eine musikalische Perspektive auf das Leben“ verband philosophische Betrachtungen mit musikalischen Einspielern. Was können wir aus der Musik für das Leben lernen? Taktgefühl, Spontanität, Improvisation sind nur ein Teil der Aspekte, die Lorenzo Hutmacher hier beleuchtete. Teile seines Vortrags sind als Podcast auf Spotify und auf YouTube zu finden (siehe nachstehende Links). 

Weitere Informationen über Lorenzo Huthmacher und „The JLG Project“ finden sich hier:  https://www.instagram.com/thejlfproject/

Die großen Fragen des Lebens in den Medien

Im sechsten Vortrag der Vortragsreihe „Was ist Leben?“ führte Lisa Menzel, Verlagsleiterin bei ruach.jetzt und Dozentin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Zuhörer in die Welt der „Großen Fragen des Lebens in den Medien“. Der Vortrag bot eine umfangreiche Reflexion darüber, wie Herkunft, Sinn und Ziel des Lebens seit jeher in Religionen und spirituellen Weltanschauungen aufgegriffen werden – und wie diese Themen heute in Film, TV, Werbung, Gaming und Social Media präsent sind. Lisa Menzel zeigte anhand alltäglicher Beispiele, wie Medien nicht nur menschliche Grenzerfahrungen und religiöse Motive abbilden, sondern auch unsere Wahrnehmung und den Umgang mit existenziellen Fragen prägen. 

Weitere Informationen über Prof. Dr. [Name] und seine Arbeit finden Sie hier: https://ruach.jetzt/kontakt/ & https://www.ekd.de/menzel-63337.htm 

Was ist Menschenwürde?

Bei einer multiperspektivischen Betrachtung auf die Frage „Was ist Leben?“ darf das Thema der Menschenwürde nicht fehlen. Um die Frage, was Menschenwürde eigentlich ist, haben wir den Philosophen Prof. Dr. Gunzelin Schmid Noerr eingeladen. In seinem Vortrag erläuterte und beantwortete er die Frage „Was ist Menschenwürde?“ aus einer philosophisch-historischen Perspektive. Der Vortrag führte die Zuhörer auf eine spannende Spurensuche nach dem Wesen der Menschenwürde und ihrer Rolle als Sozialregulative-Institution, die moralisches Verhalten fördert und damit menschliches Zusammenleben überhaupt erst ermöglicht.

Dabei hinterfragte Prof. Dr. Schmid Noerr auch, ob die Menschenwürde tatsächlich, wie in Artikel 1 des Grundgesetzes festgehalten, „unantastbar“ und essenziell ist – oder ob sie in unterschiedlichen Kontexten auch verletzlich sein kann. Er diskutierte, ob es womöglich zwei Arten von Menschenwürde gibt: eine, die unverlierbar ist, und eine, die stets geschützt werden muss. Der Vortrag regte zu einem intensiven Austauschüber die Grundlagen unseres Menschseins und unseren gesellschaftlichen Werte an. In voller Länge findet sich der Vortrag als Podcast auf Spotify und auf YouTube (siehe nachstehende Links).

Wie wollen wir leben - wie können wir wohnen?

Leben benötigt Raum und so ist es naheliegend sich zuerst mit dem eigenen Raum, dem Wohnraum, zu beschäftigen. Welche Rolle und Verbindungen zwischen dem Leben und dem Wohnraum existieren, erläuterte Frau Birgit Kasper vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V. in Ihrem Vortrag „Wie wollen wir leben – wie können wir wohnen? Innovative Wohnformen fördern nachhaltige Lebensstile“. In Ihrem Vortrag zeigte sie, dass Wohnen weit über ein Grundbedürfnis hinausgeht und unser Leben sowie unseren Lebensstil prägt – als privater Rückzugsort und zugleich Ausgangspunkt für die Teilhabe am öffentlichen Leben.

Birgit Kasper stellte den Verein Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V. vor, der Wohninitiativen und Hausgemeinschaften unterstützt, die gemeinschaftliche und alternative Wohnprojekte realisieren möchten. Sie erläuterte die Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Projekte, von der Suche nach geeigneten Immobilien bis hin zu den erforderlichen Rahmenbedingungen, und zeigte anhand konkreter Beispiele, wie ungewöhnliche Wohnideen erfolgreich umgesetzt werden können. In voller Länge findet sich der Vortrag als Podcast auf Spotify und auf YouTube (siehe nachstehende Links).

Weitere Informationen über das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V. finden Sie hier: https://www.gemeinschaftliches-wohnen.de/

Was ist Leben aus juristischer Sicht?

Den letzten Vortrag unserer interdisziplinären und öffentlichen Vortragsreihe „Was ist Leben?“ hielt die Rechtsanwältin und Dozentin Dr. Justine Diebel der Goethe-Universität Frankfurt am Main.  In Ihrem Vortrag „Was ist Leben aus juristischer Sicht, wo fängt es an und wo hört es auf?“ teilt sie das Leben in drei Phasen (vor der Geburt, das Leben, und die Zeit nach dem Tod) und erläutert beispielhaft, ob und welche Phase des Lebens vom Gesetz gedeckt und beschrieben ist. In voller Länge findet sich der Vortrag als Podcast auf Spotify und auf YouTube (siehe nachstehende Links).