WunderKammer BioArt

Biologie und Kunst – Kann man diese Disziplinen vereinen? Das in der BioArt Szene renommierte Künstler-Duo Anna Dumitriu und Alex May hat gezeigt, wie es geht. Vom 7. April bis zum 24. Juni präsentierten sie ihre neuesten Arbeiten im Kunsthaus Wiesbaden der Öffentlichkeit. Dabei gliederten sie ihre Kunstwerke in die drei Themenfelder (siehe unten), um den BesucherInnen einen Zugang zur kreativen Beschäftigung mit dem Thema der Molekularbiologie zu ermöglichen. Gleichzeitig konnte so ein Anlass geschaffen werden, sich kritisch mit den zukünftigen Auswirkungen der Gentechnologie auf unsere Gesellschaft auseinander zu setzten, aber auch deren Chancen zu erörtern.

Jedem ist die Hefe als nützlicher Organismus zur Brot-, Wein- oder Bier-Herstellung bekannt. Doch könnten biotechnologisch veränderte Hefen auch dazu beitragen den Klimawandel oder die stetig zunehmende Vermüllung unserer Erde zu bekämpfen? Diesen Fragen widmete sich das Projekt „Fermenting Futures“.

Ebenso nicht aus unserem Alltag wegzudenken sind Bakterien. In unserem Darm helfen Sie uns bei der Verdauung, in der Pharma-Industrie werden sie zur Herstellung von Medikamenten verwendet. Gleichzeitig machen sie uns jedoch auch krank. Besonders problematisch sind evolutionäre Veränderung der Bakterien, die zu Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika führen, z.B. die sogenannten „Krankenhaus-Keime“. Mit Hilfe der „Genschere“ CRISPR/Cas9 konnte Anna Dimitriu innerhalb des Projekts „Make Du and Mend“ die Resistenz gegen das Antibiotikum Pencilin aus dem Genom eines Bakteriums entfernen und gleichzeitig eine eigens erstellte DNS-Sequenz integrieren. Dabei werfen Sie die Frage auf, inwiefern Sprache sich in Form von DNA speichern lässt und spannen gleichzeitig den Bogen bis hin zum Zweiten Weltkrieg.

Das letzte Projekt „Biotechnology of the blue flower“ widmet sich der modernen Agrarindustrie und greift gleichzeitig anfängliche Überlegungen der Evolutionstheorie auf. So waren die Künstler in der Lage eine übliche Zichorie aus lediglich einer Zelle zu züchten!

Sie fragen sich nun: Wie genau funktioniert das jetzt eigentlich alles? Die Antworten sind in einem eigens für diese Ausstellung geschaffenen Glossar zusammengefasst. Die Texte umgeben die Kunstwerke in der Ausstellung, lassen sich aber auch online finden (https://wunderkammer-bioart.de/glossar/). Erstellt wurden die Texte im Rahmen eines interdisziplinären Seminars an der Goethe-Universität Frankfurt von Studierenden der Kunstgeschichte, Curatorial Studies, Philosophie und Biologie. Die Mitglieder des Seminars verantworteten ebenfalls die Organisation des umfangreichen und diversen Rahmenprogramms, welches von interdisziplinären Podiumsdiskussionen zwischen Professoren der Evolutionsbiologie und Romantik, bis hin zu interaktiven Führungen reichte (eine Übersicht findet sich hier: https://wunderkammer-bioart.de/).

Wir, der „Frankfurter Verein für interdisziplinären Wissenstransfer – Xplor e.V.“, sind den beiden Kuratorinnen Prof. Dr. Viola Hildebrand-Schat und Heike Sütter sehr dankbar, dass wir an diesem in Deutschland einmaligen Projekt bei der Erstellung des Glossars und im Rahmenprogramm beteiligt waren.