Hello, World! Kunst aus Code

Code prägt unseren Alltag heute stärker denn je. Er steuert Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Navigationssysteme und zunehmend auch kreative Prozesse. Doch Code ist mehr als eine technische Anweisung – er kann auch Ausgangspunkt für Kunst, Reflexion und neue Perspektiven sein.

Wie sieht ein Algorithmus aus? Kann künstliche Intelligenz kreativ sein? Und welche Ästhetik entsteht aus Daten, digitalen Systemen und maschinellen Prozessen?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Ausstellung „Hello, World! – Kunst aus Code“, die Xplor e.V. im Rahmen der Night of Science 2026 präsentierte. Die Veranstaltung fand am 12. Juni 2026 auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt statt, wo zahlreiche Forschungsgruppen von 17 Uhr bis Mitternacht Einblicke in ihre Arbeit gaben. Unsere Ausstellung war von 18:00 bis 24:00 Uhr im Seminarraum 4 des Otto-Stern-Zentrums zu sehen.

Als Verein, der interdisziplinären Wissenstransfer fördert, wollte Xplor e.V. mit dieser Ausstellung den Dialog zwischen Informatik, Gesellschaft und Kunst sichtbar machen. „Kunst aus Code“ lud dazu ein, digitale Technologien nicht nur als Werkzeuge, sondern auch als kulturelle und kreative Ausdrucksformen zu betrachten.

In der Ausstellung zeigten Frankfurter Forschungsgruppen, Künstler*innen und Studierende, wie vielfältig und ästhetisch Arbeiten rund um Informatik, künstliche Intelligenz und digitale Systeme sein können. Die gezeigten Werke entstanden aus Forschungsprozessen, algorithmischen Strukturen, maschinell erzeugten Bildern oder persönlichen Reflexionen über unsere digitale Welt. Kurze Begleittexte machten die Hintergründe der Arbeiten auch ohne technisches Vorwissen zugänglich. So entstand ein Raum, in dem Wissenschaft und Kunst miteinander ins Gespräch kamen – ein Raum zum Staunen, Hinterfragen und Weiterdenken.

Die Kunstwerke

Aspekte der KI

Gestaltet von: Xplor e.V.

Was passiert, wenn man einer Künstlichen Intelligenz Fragen über Künstliche Intelligenz stellt? Die hier ausgestellten Statements stammen aus der Reihe „Aspekte der Künstlichen Intelligenz“, einem Projekt von Xplor e.V., das sich mit den Chancen, Risiken und gesellschaftlichen Auswirkungen moderner KI-Systeme auseinandersetzt.

Ausgangspunkt waren grundlegende, kritische, spielerische und manchmal auch ungewöhnliche Fragen: Kann KI Kunst erschaffen? Wird sie unsere Arbeit verändern? Wer kontrolliert die Algorithmen? Und wie beeinflusst KI unsere Gesellschaft? Um Antworten zu finden, wurden verschiedene KI-Systeme – darunter ChatGPT, Claude, Grok und DeepSeek – mit denselben Fragen konfrontiert. Die entstandenen Texte wurden anschließend verglichen, diskutiert, überarbeitet und eingeordnet.

Die Reihe versteht KI nicht als allwissende Instanz, sondern als Werkzeug, Spiegel und Diskussionspartner. Sie lädt dazu ein, die Perspektiven der Maschinen kennenzulernen und zugleich kritisch zu hinterfragen. Die ausgestellten Aussagen geben einen Einblick in diesen Dialog zwischen Mensch und Maschine und zeigen, dass die wichtigsten Fragen über KI letztlich nicht von Algorithmen beantwortet werden können, sondern von uns selbst.

Über folgenden Link gelangen Sie zur vollständigen Textreihe mit allen Artikeln und weiterführenden Inhalten: https://www.xplor-ev.de/aspekte/aspekte-der-ki/

The Spaces Code Makes

Gestaltet von: Prof. Dr. Lizzie Richardson

Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt

Auf den ersten Blick zeigen diese Fotografien alltägliche Orte: Bürogebäude, Fahrradkuriere, Abholstationen und Restaurantküchen. Doch sie erzählen eine gemeinsame Geschichte. Sie zeigen Räume, die durch digitale Technologien, Algorithmen und Plattformen geprägt werden – Räume, die ohne Software und Daten in ihrer heutigen Form nicht existieren würden.

Digitale Systeme organisieren zunehmend, wo und wie Menschen arbeiten. Lieferplattformen koordinieren Warenströme durch Algorithmen, digitale Bestellsysteme strukturieren Arbeitsabläufe in Küchen und flexible Arbeitsplatzmodelle verändern die Gestaltung moderner Büros. Der zugrunde liegende Code bleibt dabei meist unsichtbar, prägt aber maßgeblich die räumlichen Strukturen, in denen sich unser Alltag bewegt.

Die Humangeographin Prof. Dr. Lizzie Richardson erforscht, wie digitale Technologien Gesellschaften räumlich verändern. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen digitale Arbeitswelten, Plattformökonomien und die Frage, wie digitale Infrastrukturen neue Formen von Arbeit, Wertschöpfung und sozialem Zusammenleben hervorbringen. Ihre Forschung macht sichtbar, dass Digitalisierung nicht nur virtuelle Räume schafft, sondern auch die physische Welt um uns herum neugestaltet.

Zufall als Künstler

Gestaltet von: Arbeitsgruppe Algorithm Engineering

Goethe-Universität, Institut für Informatik 

Die hier gezeigten Bilder wurden vollständig durch ein Computerprogramm erzeugt. Ausgangspunkt sind zufällig generierte mathematische Funktionen, die für jeden Bildpunkt ausgewertet und anschließend als Farben dargestellt werden. Aus abstrakten Formeln entstehen so komplexe Muster, Strukturen und Farbverläufe, die an Landschaften, Organismen oder abstrakte Gemälde erinnern können.

Obwohl die Bilder ohne direkte menschliche Gestaltung entstehen, sind sie das Ergebnis eines sorgfältig entworfenen Algorithmus. Sie zeigen, wie einfache mathematische Regeln überraschend vielfältige und ästhetische Ergebnisse hervorbringen können. Die Werke bewegen sich damit an der Schnittstelle von Informatik, Mathematik und generativer Kunst und werfen zugleich die Frage auf, welche Rolle Zufall und Programmierung in kreativen Prozessen spielen.

Die Bilder wurden mit einer eigens entwickelten Open-Source-Software erzeugt. Über den folgenden Link können Sie den Quellcode des Projekts einsehen und selbst erkunden, wie aus mathematischen Funktionen digitale Kunstwerke entstehen: https://codeberg.org/AbcAeffchen/RandomArtGenerator

Der Blick der Maschine

Gestaltet von: MOMSKO

Diese Installation verbindet Skulptur, Robotik und Künstliche Intelligenz zu einem interaktiven Kunstwerk. Die Figur erkennt mithilfe von Gesichtserkennung die Anwesenheit von Besuchern und Besucherinnen und verfolgt deren Bewegungen mit ihren Augen. Dadurch entsteht der Eindruck, von der Skulptur selbst beobachtet zu werden.

Was zunächst wie eine technische Spielerei wirkt, berührt grundlegende Fragen unserer digitalen Gegenwart. Systeme zur Gesichts- und Objekterkennung werden heute in Smartphones, Überwachungskameras, Fahrzeugen und digitalen Assistenzsystemen eingesetzt. Sie ermöglichen Maschinen, ihre Umgebung wahrzunehmen, Personen zu identifizieren und auf menschliches Verhalten zu reagieren.

Die Installation macht diese Technologie unmittelbar erfahrbar. Sie verwandelt abstrakte Algorithmen in einen direkten Blickkontakt zwischen Mensch und Maschine und lädt dazu ein, über Beobachtung, Wahrnehmung und die zunehmende Präsenz intelligenter Systeme in unserem Alltag nachzudenken.

Human–AI Collaboration

Gestaltet von: Prof. Dr. Kevin Bauer

Professur für spieltheoretische und kausale KI in Business und Economics

Die hier gezeigte Visualisierung beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Menschen und generativer Künstlicher Intelligenz. Sie zeigt, dass diese Beziehung auf mehreren Ebenen stattfindet: Einerseits in der direkten Interaktion zwischen einer einzelnen Person und einem KI-System, andererseits als Teil größerer sozialer und organisatorischer Strukturen. Was zunächst wie ein technisches Werkzeug erscheint, entwickelt sich zunehmend zu einem aktiven Bestandteil unseres Arbeits- und Alltagslebens.

Generative KI kann Informationen bereitstellen, kreative Inhalte erzeugen und Menschen bei Entscheidungen unterstützen. Gleichzeitig beeinflusst sie, wie Wissen entsteht, wie Aufgaben verteilt werden und wie Menschen miteinander interagieren. Die Forschung untersucht daher nicht nur die Fähigkeiten der Technologie selbst, sondern auch Fragen nach Vertrauen, Abhängigkeit, Kreativität und Verantwortung. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie sich individuelle Interaktionen mit KI auf ganze Organisationen und Gesellschaften auswirken.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kevin Bauer erforscht die Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI-Systemen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Informatik und Verhaltenswissenschaften. Im Mittelpunkt stehen erklärbare KI, algorithmische Transparenz, kausales maschinelles Lernen und menschliche Informationsverarbeitung. Ziel ist es, KI-Systeme zu entwickeln, die nicht nur leistungsfähig, sondern auch nachvollziehbar, vertrauenswürdig und gesellschaftlich verantwortungsvoll sind.

 

Gedankenpotpourri

Gestaltet von: Niklas Reith (Xplor e.V.)

Künstliche Intelligenz wird häufig mystifiziert und leistungsfähiger dargestellt, als sie tatsächlich ist. In den Vorstellungen vieler Menschen löst KI Begeisterung, aber auch Ängste aus – von der Hoffnung auf technische Durchbrüche bis hin zur Sorge, durch Maschinen ersetzt zu werden. Dabei beruhen moderne KI-Systeme letztlich auf mathematischen Modellen, die aus großen Datenmengen Muster erkennen und auf dieser Grundlage die wahrscheinlichste Antwort auf eine Anfrage erzeugen.

Das hier gezeigte Kunstwerk entstand im Rahmen der Night of Science 2026. Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, eigene Ideen, Gedanken und Fragen einzubringen – ob absurd, widersprüchlich, humorvoll oder philosophisch. Mithilfe einer generativen KI wurden diese Eingaben in individuelle Bilder übersetzt, die neue Perspektiven eröffneten und zum Nachdenken anregten.

Aus den zahlreichen Beiträgen entstand ein gemeinsames Kunstwerk, das die Vielfalt menschlicher Gedanken und Vorstellungen sichtbar macht. Die einzelnen Bilder spiegeln unterschiedliche Erfahrungen, Interessen und Sichtweisen wider und zeigen zugleich, wie Künstliche Intelligenz als kreatives Werkzeug genutzt werden kann. Das entstandene Gesamtwerk macht erfahrbar, dass Kreativität nicht nur im Erschaffen neuer Ideen liegt, sondern oft auch in ihrer überraschenden Kombination, Neuinterpretation und gemeinsamen Weiterentwicklung.

Teilnehmende Forschungsgruppen & KünstlerInnen: Prof. Dr. Kevin Bauer (Game-Theoretic and Causal AI in Business and Economics – Goethe University Frankfurt), Prof. Dr. Lizzie Richardson (Digital Geographies, Institute of Human Geography – Goethe University Frankfurt), Marius Ben Eschenbrenner (Autonomous Tutorial “Can AI Create Art?” – Goethe University Frankfurt), Dr. Alex Schickedanz (Group of Algorithm Engineering – Goethe University Frankfurt), Moritz Florschütz (Artist).